Pressemitteilung

Überhitzte Zentren als Chance für die Provinz

25. Wirtschaftstag im „Milden Westen“: Christoph Kaup ist Unternehmer des Jahres 2018

Idar-Oberstein. Christoph Kaup, Geschäftsführer der Howatherm Klimatechnik GmbH in Brücken, wurde zu Beginn des Wirtschaftstags der Regionalinitiative Rhein-Nahe-Hunsrück, der am Freitag in der Messe Idar-Oberstein stattfand, als 250. Mitglied im „Milden Westen“ begrüßt. Vier Stunden später stand der Doktor der Ingenieurwissenschaften erneut für eine besondere Ehrung auf der Bühne: Kaup ist der „Unternehmer des Jahres 2018“ – ein Titel, den vor ihm unter anderem Rolf Schneider (2016), Achim Haupt (2014), Angelika Schneider (2013), Ralph Effgen (2012) und Wolfgang Loch (2008) trugen.

Noch lieber wäre es ihm gewesen, wenn das Unternehmen des Jahres ausgezeichnet worden wäre, sagte der Geehrte in seiner typischen bescheidenen Art: „Das ist der Beleg dafür, dass meine 180 Mitarbeiter einen guten Job machen. Ich bin nur der Chef, ohne sie wäre ich gar nichts.“ Das Preisgeld in Höhe von 5000 Euro will Kaup fürs Sponsoring von Bachelorarbeiten zu seinem Lieblingsthema Energieeffizienz am Umwelt-Campus Birkenfeld nutzen, wo der 55-Jährige auch Honorarprofessor ist. Mit der Belegschaft wird dennoch gefeiert. Die Laudatio hielt in Vertretung des erkrankten Vorjahrespreisträgers Ludger Lüning Stefan Langenfeld, der Vorsitzende der Initiative.

Beinahe wäre das Jubiläum ein wenig untergegangen: Bereits zum 25. Mal wurde die alljährliche Zusammenkunft der Unternehmer aus dem Großraum zwischen Bingen, Mainz und Birkenfeld veranstaltet, aber auf den Flyern und Plakaten war die Zahl nicht zu finden. Doch Langenfeld erinnerte in seinen Begrüßungsworten an die lange Tradition. Das für dieses Jahr gewählte Motto „Leben und Arbeiten im ländlichen Raum“ höre sich zwar etwas dröge an, sei aber brandaktuell. Denn jüngste Studien zeigten, dass die derzeitige Situation mit „überhitzten Ballungsräumen“, überteuerten Mieten und Baulandpreisen eine Riesenchance für die Provinz sein könne.

Idar-Obersteins OB Frank Frühauf forderte alle Anwesenden auf, noch mehr herauszustellen, wie „leistungsfähig wir im ländlichen Raum sind“ – ein gutes Beispiel sei die Tatsache, dass die Regionalkonferenz der Bundes-CDU am kommenden Dienstag in der Messe Idar-Oberstein stattfinde. Landrat Matthias Schneider begann seine Begrüßung mit einem Zitat: „Papa, hier sieht man ja die Sterne.“ Das sagte eine Neunjährige, die sonst in Berlin lebt, als sie ihren Papa, Geschäftsführer eines großen Konzerns, am Wochenende in Idar-Oberstein besuchte. Licht- und Luftverschmutzung, die bekannten Probleme in den Ballungsgebieten – dies alles spreche für die Nahe-Hunsrück-Region.

Und schon war man mitten im Thema: Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Chefin von mehr als 1000 Mitarbeitern und mit einer Verfügungsgewalt über einen Etat von mehr als 6 Millionen Euro ausgestattet, wie Moderator Christoph Lanz in der Anmoderation sagte, sieht den ländlichen Raum als eigentliches „Kraftzentrum“ der Nation. „90 Prozent der Fläche Deutschlands sind ländliche Räume, mehr als die Hälfte aller Deutschen lebt dort.“ Es gelte, Initiativen „wie die Ihre“ zu bündeln und schlagkräftiger zu machen. Nur so könne es gelingen, gemeinsam attraktivere Lebens- und Arbeitsbedingungen für die auf dem Land lebenden Menschen zu schaffen. Von Förderung mit der Gießkanne hält die Ministerin nichts. Das führe nur wieder zu Wettrennen, wer als Erster am Fördertopf ist. Auch von Durchschnittswerten und Aussagen wie „98 Prozent der Haushalte sind mit schnellem Internet versorgt“, hält Klöckner wenig: „Wir müssen auf die Fläche schauen, und da hapert es.“ Am Ende des Festvortrags versuchte Lanz der Ministerin noch ein paar Geheimnisse zu entlocken: Wen sie denn als CDU-Bundesvorsitzende/n favorisiere? Antwort Klöckner: „Netter Versuch, Herr Lanz.“ Alle drei Kandidaten hätten ihre Stärken. Es sei doch positiv, dass die CDU-Mitglieder „eine so veritable Auswahl haben mit Wirtschaftssachverstand und Regierungserfahrung“. Und es sei auch positiv, „dass von unten nach oben entschieden“ werde.

Zukunft geht nur zusammen

In zwei Talkrunden wurde im Schnelldurchgang angerissen, was das Leben und Arbeiten im „Milden Westen“ besonders macht, aber auch was zu tun ist, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Das Bekenntnis zur Region fiel eindeutig aus, aber es wurde klar, dass Mut, Kreativität und Fantasie erforderlich sind, um gerade junge Menschen zum Bleiben oder zur Rückkehr zu bewegen, was Barbara Wollschied, stellvertretende Vorsitzende der Landjugend Nahe, exemplarisch an der Initiative der „Naheweinrebellen“ deutlich machte. Es komme darauf an, traditionelle Rivalitäten zu überwinden und gemeinsam anzupacken.

In einer zweiten Runde berichteten unter anderem Christoph Kaup, Hans-Jörg Platz (Hunsrück-Sondertransport), Eva Wagner (OIE AG) und Ralph Effgen, wie es ihren Unternehmen gelingt, an Auszubildende und Fachkräfte zu kommen sowie diese zu halten.

Chinesischer Brückenkopf

Zwei Beispiele, wo die Region eine führende Rolle in ganz unerwarteten Bereichen einnimmt, kamen aus dem Westen des Einzugsgebiets. Dr. Guido Dartmann, Professor am Umwelt-Campus Birkenfeld, berichtete über ein Pilotprojekt, bei dem die Anwendung von künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge für den Mittelstand nutzbar gemacht werden können. Andreas Scholz von der Oak Garden Holding zeigte, wie aus der zunächst vagen Idee einer deutsch-chinesischen Zusammenarbeit einer der wichtigsten Brückenköpfe Chinas in Europa werden konnte. Zentrales Moment dabei sei, unterstrich Scholz, das kulturelle und soziale Miteinander. Viele große Wirtschaftsunternehmen seien schon in China gescheitert, weil sie diesen Faktoren nicht genügend Beachtung geschenkt hatten.

Am Ende gab es noch etwas zu lachen: Der aus der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ bekannte Berliner Kabarettist Frank Lüdecke musste sich aber tüchtig ins Zeug legen, um in den doch schon arg gelichteten Besucherreihen Stimmung aufkommen zu lassen. Mit seinen Liedern und Späßen etwa über den Frauenmangel in Brandenburg („Dort kommen auf fünf männliche Hartz-4-Empfänger nur noch drei Frisösen“) schaffte er das.