CO₂ oder CO2?

In der Mathematik und in chemischen Summenformeln sind Indizes tiefzustellen. In der Diskussion zum fortschreitenden Klimawandel wird für das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid in digitalen Medien sehr häufig fälschlicherweise die Summenformel CO2 statt der korrekten Darstellung CO₂ verwendet, also ohne die Tiefstellung des Index 2, um anzuzeigen, dass das Molekül aus zwei Sauerstoffatomen besteht. Aber es gibt eine recht einfache Möglichkeit, sowohl in Textverarbeitungsprogrammen als auch in den digitalen Medien, die korrekte Summenformel zu verwenden.

Zunächst lässt sich natürlich darüber diskutieren, ob es tatsächlich ein Problem ist, die Summenformel für Kohlenstoffdioxid mit CO2 darzustellen. Die Allgemeinheit wird keinen unmittelbaren Unterschied in den Aussagen eines Artikels feststellen, wenn CO2 verwendet wird. Für die Verfassenden von Artikeln, vor allem in digitalen bzw. sozialen Medien, ist zudem der Aufwand größer, einen Weg zu finden, den Index 2 tiefzustellen, da die Programme zur Veröffentlichung von digitalen Inhalten in der Regel hierzu keine Möglichkeit bieten.

Aus der wissenschaftlichen Perspektive ist die Verwendung von CO2 als Summenformel von Kohlenstoffdioxid allerdings falsch (manchmal begegnet einem sogar das völlig falsche CO²). Die Anzahl der unterschiedlichen Atome in einem Molekül wird gemäß der Konvention als Index dargestellt, also CO₂ für Kohlenstoffdioxid oder H₂O für Wasser oder CH₄ für Methan. Daher ist für eine korrekte Darstellung darauf zu achten, die Indizes entsprechend tiefzustellen. Gleiches ist bei der Hochstellung von Indizes zu beachten, also zum Beispiel bei der Flächenbezeichnung Quadratmeter m² statt m2 oder m^2 oder qm. Und entsprechendes gilt auch für mathematische Gleichungen, bei denen zum Beispiel die Multiplikation als sogenannter Kreis-Operator ⋅ (Mal-Zeichen) und nicht als * (Stern-Operator) oder x (Kreuz-Produkt) dargestellt wird.

In Textverarbeitungsprogrammen lässt sich das Tief- beziehungsweise Hochstellen von Indizes und Zahlen recht einfach über die Formatierung des Textes lösen. Hierbei wird das Zeichen in etwas kleinerer Schriftart etwas tiefer oder höher über vordefinierte Formate gesetzt. Das Problem ist, dass bei einer Umformatierung des Textabschnittes durch die Anpassung der Schriftgröße es dazu kommen kann, dass alle Zeichen wieder in der Normalgröße dargestellt werden und die Tief- oder Hochstellung entfernt wurde. Bei Tabellenkalkulationsprogrammen ist die Tief- oder Hochstellung noch komplexer, obwohl es in diesen Programmen durch die Verwendung von Einheiten oder mathematischen Größen essentiell ist, eine korrekte Darstellung zu nutzen. Ähnliches gilt es für die Achsenbeschriftung in Diagrammen.

Lösen lässt sich das Dilemma durch den Einfügen entsprechender Zeichen, die auf Computern bzw. Mobilgeräten in den Schriftarten vordefiniert sind. Dabei sind unter anderem Schriftzeichen aus unterschiedlichen Sprachen (griechisch, kyrillisch etc.), für hoch- und tiefgestellte Zeichen sowie für mathematische Operatoren verfügbar. Für die gängigen Betriebssysteme können die Zeichen mit etwas Aufwand über die Tastatur direkt eingegeben werden:

Eingabe von Unicode-Zeichen unter Windows: https://de.wikipedia.org/wiki/Unicode#Microsoft_Windows
Eingabe von Unicode-Zeichen under Apple macOS: https://de.wikipedia.org/wiki/Unicode#Apple_macOS

Etwas komfortabler ist das Kopieren und Einfügen der entsprechenden Zeichen. Die Universität Regensburg hat beispielsweise eine Liste der wichtigsten Sonderzeichen tabellarisch zusammengefasst unter
https://epub.uni-regensburg.de/help/utf8.html
Sämtliche hoch- und tiefgestellte Zeichen finden sich unter
https://de.wikipedia.org/wiki/Unicodeblock_Hoch-_und_tiefgestellte_Zeichen
und die mathematischen Operatoren unter
https://de.wikipedia.org/wiki/Unicodeblock_Mathematische_Operatoren
Eine vollständige Liste der Unicodeblöcke ist zu finden unter
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Unicodebl%C3%B6cke

Über das Kopieren des entsprechenden Zeichens und Einfügen im Text, in die Tabellenkalkulationszelle oder als Achsenbeschriftung in Diagrammen lässt sich sicherstellen, dass bei einer Formatierungsänderung oder bei Anpassung das entsprechende Zeichen nicht verloren geht. Und auch auf digitalen Seiten und in sozialen Medien lassen sich die Zeichen korrekt darstellen. 

In der handschriftlichen Darstellung ist die Verwendung der richtigen Indizes oder mathematischer Operatoren kein Problem. Der Aufwand in der digitalen Welt ist etwas größer. Die Gefahr der allgegenwärtigen digitalen Inhalte mit der falschen Verwendung der Indizes oder Operatoren ist, dass sich diese Darstellung auch auf den handschriftlichen Teil überträgt und damit allgemeingültig zu sein scheint. In der Wissenschaft (und damit auch in der Allgemeinheit) ist korrekte Darstellung solcher scheinbaren Details jedoch elementar wichtig, da es ansonsten zu sinnentstellenden beziehungsweise falschen Inhalten kommen kann. Die Bequemlichkeit in Artikeln oder Texten darf daher nicht über der Korrektheit liegen. In der Wissenschaft (hierzu zählen inbesondere Abschlussarbeiten, Studien oder ähnliche Berichte) ist die korrekte Verwendung natürlich obligatorisch, in anderen Veröffentlichungen gehört sich die korrekte Darstellung, wie auch eine korrekte Orthographie und Zeichensetzung erwartet wird. Der Naturwissenschaft sollte in der Formatierung das gleiche Gewicht wie die sprachliche Korrektheit haben, auch wenn der Aufwand an der einen oder anderen Stelle größer ist.

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Prof. Dr. Henrik te Heesen
Prof. Dr. Henrik te Heesen
Professor FB Umweltplanung/Umwelttechnik - FR Maschinenbau

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