Der blaue Engel für Software?

Im Rahmen des vom Umweltbundesamt geförderten Forschungsprojekts „UFOPLAN - Sustainable Software Design“ hat eine Gruppe von Studierenden aktuelle Forschungsergebnisse eingesetzt, um Softwareprodukte hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu bewerten.

Die Informationstechnologie, welche auf dem Zusammenspiel von Hardware und Software basiert, hat derzeit einen Anteil von ca. 8-10 % des globalen Stromverbrauchs, Tendenz steigend. Bei der Bewertung der Umweltauswirkungen, wie Energie- und Rohstoffverbrauch, wird das IT-System jedoch häufig auf die Hardware beschränkt (dies bezeichnet man üblicherweise als „Green IT“). Der Einfluss der immateriellen Software wird in der Regel ausgeblendet.

Dabei sind steigende Anforderungen der Software eine häufige Ursache für den Erneuerungsbedarf von Hardware und die damit verbundenen Umweltbelastungen durch die Herstellung. So müssen Privatanwender und Unternehmen regelmäßig funktionstüchtige Hardware außer Betrieb nehmen und durch leistungsfähigere Neugeräte ersetzen. Auch wird der tatsächliche Verbrauch während der Ausführung wesentlich von der Software bestimmt.

Die Beurteilung der Umweltwirkungen von Software sollte daher besser quantifiziert werden können. Aus diesem Grund versucht das Projekt Sustainable Software Design, den Fokus von Green IT von der Hardware auf die Software auszuweiten. Hierzu wurde ein Kriterienkatalog entwickelt, mit dem verschiedene Bereiche der Softwareprodukte (z. B. Ressourceneffizienz, Potentielle Hardware-Nutzungsdauer, Transparenz etc.) bewertet werden können.

Das Team um Prof. Dr. Stefan Naumann und Achim Guldner, M.Sc., entwickelte daher seit dem WS 2016/2017 eine Methodik zur Messung der Kriterien und testete diese anhand von Softwareprodukten wie z.B. Textverarbeitungsprogrammen, Content-Management Systemen, Browsern und Datenbanksystemen.

Um solche Softwareprodukte konkret überprüfen zu können, wurden typische Nutzungsszenarien für die jeweilige Produktgruppe entwickelt. Hierfür waren Kreativität und logische Problemlösung gefragt. Die Studierenden vereinten gruppenübergreifend die Vorschläge und Ideen der einzelnen Projektteilnehmer auf konstruktive Art und Weise. So wurden bei der Gegenüberstellung kommerzieller mit Open Source Texteditoren besonders große Diskrepanzen festgestellt, die auf mögliche Optimierungspotenziale und -ansätze hindeuten. Andererseits zeigen sich durch die Erarbeitung der einzelnen Kriterien nicht nur negative bzw. ausbaufähige Aspekte der Produkte, sondern auch energieeffiziente Lösungen.

Die Ergebnisse des Projekts sollen sowohl Entwickler beim Design ressourceneffizienter Software als auch Beschaffer bei der Bewertung bestehender Softwareprodukte unterstützen. Durch die Identifizierung von Mindeststandards soll darüber hinaus die Möglichkeit geschaffen werden, eine Kennzeichnung nachhaltiger Softwareprodukte durch ein Umwelt- oder Gütezeichen wie beispielsweise dem Blauen Engel durchzuführen.

Zusammenfassend meinte eine Studierende: „Dieses Projekt hat mich persönlich über die Bedeutung der Ressourcenschonung und Energieeffizienz im Bereich der Softwaresysteme aufgeklärt. Ich wäre vor Sichtung der ersten vergleichenden Messergebnisse nicht davon ausgegangen, dass es bedingt durch die Umsetzung der Software so erhebliche Unterschiede in der Beanspruchung von Hardware- und Energieressourcen gibt.“

Weitere Infos zum Projekt und zu Nachhaltiger Software finden Sie unter
http://green-software-engineering.de

Projektpartner:

•    Öko-Institut, Berlin (http://www.oeko.de)

•    Universität Zürich, Prof. Lorenz Hilty (http://www.ifi.uzh.ch)

•    Umweltbundesamt (http://www.umweltbundesamt.de)

Projektteam v.l.n.r. Andreas Filler, Michael Maey, Ilja Nuss, Achim Guldner, Marlies Morgen, Prof. Dr. Stefan Naumann, Björn Reinert. Nicht im Bild: Marcel Garling, Tobias Haßdenteufel, Maximilian Poth und Viktoria Taskaev
Messlabor mit Desktop-Rechner, Server, Messgerät sowie Datenerfassungs- und Analysesoftware
Messung der Stromaufnahme
Touch-Roboter zur Messung mobiler Endgeräte

Kontakt


Achim Guldner
+49 6782 17-1957
9925 Raum: 135
Postfach 1380

, 55761 Birkenfeld
Prof. Dr. rer. nat.
Stefan Naumann
+49 6782 17-1217
9925 Raum: 133
Postfach 1380

, 55761 Birkenfeld