Hitzefrei!?

Leider gibt es keine konkreten gesetzlichen Vorschriften über die Temperaturen am Arbeitsplatz.

Gemäß § 618 Absatz 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) muss der Dienstberechtigte Räume, Vorrichtungen oder Gerätschaften, die er zur Verrichtung der Dienste zu beschaffen hat, so einzurichten und so unterhalten und Dienstleistungen, die unter seiner Anordnung oder seiner Leitung vorzunehmen sind, so  regeln, dass der Verpflichtete gegen Gefahr für Leben und Gesundheit soweit geschützt ist, als die Natur der Dienstleistung es gestattet.

In der Arbeitsstättenverordnung steht, dass in Arbeitsräumen eine "gesundheitlich zuträgliche Temperatur" bestehen muss. Welche Raumtemperaturen am Arbeitsplatz für die Beschäftigten geeignet sind und welche Temperaturen noch zumutbar sind, wird in  ASR A3.5  der Arbeitsstättenregel (ASR) geregelt.

 Arbeitsstättenverordnung: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/arbst_ttv_2004/gesamt.pdf

Arbeitsstättenregel: https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/ASR/ASR.html

Hier steht, dass die Mindesttemperatur in Arbeitsräumen je nach Schwere der Arbeit zwischen +12 °C(Verrichtung schwerer Arbeit) und +20 °C (leichte sitzende Tätigkeit) liegen muss.

In Sozialräumen wie Pausen-, Bereitschafts- und Sanitärräumen sollen mindestens +21 °C vorherrschen, in Waschräumen mindestens +24 °C.

Laut ASR 4.2 Absatz 3 soll die Raumtemperatur +26 °C nicht überschreiten. Bei Außenlufttemperaturen über +26 °C gilt allerdings eine Ausnahmeregelung.

Diese ist geregelt in Punkt 4.4. ASR:

 "(1) Wenn    die    Außenlufttemperatur    über    +26 °C    beträgt    und    unter    der Voraussetzung,  dass  geeignete  Sonnenschutzmaßnahmen  nach  Punkt 4.3  verwendet  werden,  sollen  beim  Überschreiten  einer  Lufttemperatur  im  Raum  von  +26 °C zusätzliche Maßnahmen, z. B. nach Tabelle 4, ergriffen werden. In Einzelfällen kann das Arbeiten bei über +26 °C zu einer Gesundheitsgefährdung führen, wenn z. B.:

- schwere körperliche Arbeit zu verrichten ist,

- besondere  Arbeits-  oder  Schutzbekleidung  getragen  werden  muss,  die  die Wärmeabgabe stark behindert oder

- hinsichtlich  erhöhter  Lufttemperatur  gesundheitlich  Vorbelastete  und  besonders  schutzbedürftige  Beschäftigte  (z. B.  Jugendliche,  Ältere,  Schwangere, stillende Mütter) im Raum tätig sind.

In  solchen  Fällen  ist  über  weitere  Maßnahmen  anhand  einer  angepassten  Gefährdungsbeurteilung zu entscheiden.

(2) Bei Überschreitung der Lufttemperatur im Raum von +30 °C müssen wirksame Maßnahmen  gemäß  Gefährdungsbeurteilung  (siehe  Tabelle 4)  ergriffen  werden, welche  die Beanspruchung  der  Beschäftigten  reduzieren.  Dabei  gehen  technische und organisatorische gegenüber personenbezogenen Maßnahmen vor.

Beispielhafte Maßnahmen (Tabelle 4)

a) effektive Steuerung des Sonnenschutzes (z. B. Jalousien auch nach der Arbeitszeit geschlossen halten)

b) effektive Steuerung der Lüftungseinrichtungen (z. B. Nachtauskühlung)

c) Reduzierung der inneren thermischen Lasten (z. B. elektrische Geräte nur bei Bedarf betreiben)

d) Lüftung in den frühen Morgenstunden

e) Nutzung von Gleitzeitregelungen zur Arbeitszeitverlagerung

f) Lockerung der Bekleidungsregelungen

g) Bereitstellung geeigneter Getränke (z. B. Trinkwasser)

 (3) Wird  die  Lufttemperatur  im  Raum  von  +35 °C  überschritten,  so  ist  der  Raum für die Zeit der Überschreitung ohne

- technische Maßnahmen (z. B. Luftduschen, Wasserschleier),

- organisatorische Maßnahmen (z. B. Entwärmungsphasen) oder

- persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Hitzeschutzkleidung),

wie bei Hitzearbeit, nicht als Arbeitsraum geeignet.

 (4) Technische  Maßnahmen,  die  die  Lufttemperatur  reduzieren,  dürfen  die  absolute Luftfeuchte nicht erhöhen."

Ein Einstellen der Arbeitsleistung ist nicht zu empfehlen. Nach § 273 BGB gibt es zwar die Möglichkeit des "Rückbehaltsungsrechts", aber wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass Sie die Situation falsch eingeschätzt haben, kann dies zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen.

Unsere Empfehlung lautet, falls Sie es an Ihrem Arbeitsplatz aufgrund der hohen Temperaturen nicht mehr "aushalten", sprechen Sie mit Ihrer/Ihrem Vorgesetzen.

Vieleicht ergibt sich die Möglichkeit Überstunden kurzfristig abzubauen oder nutzen Sie die Gleitzeitregelung.

Jedem müsste klar sein, dass zu hohe Temperaturen nicht nur die Gesundheit gefährden, sondern auch die Arbeitsleistung beeinträchtigen kann.

Falls Sie Unterstützung benötigen oder Fragen haben, ist Ihr Personalrat für Sie da.

20.06.2017

 

 

 

 

 

Denk am mich. Dein Rücken!

"Denk an mich. Dein Rücken"

Rückenbelastung am Bau

Kampagne zur Prävention von Rückenbelastungen gestartet

"Denk an mich. Dein Rücken" – das ist das Motto der heute gestarteten Präventionskampagne von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sowie der Knappschaft. Ihr Ziel: Rückenbelastungen bei der Arbeit, in der Schule und in der Freizeit verringern. Dazu werden die Kampagnenträger Betrieben und Versicherten in den kommenden drei Jahren entsprechende Informationen und Beratungen anbieten. Hintergrund der Kampagne ist die nach wie vor hohe Zahl der Rückenerkrankungen und die damit verbundenen Krankheitskosten und Produktionsausfälle.

Rückenbelastungen sind bei der Arbeit keine Seltenheit. Noch immer gehört körperlich schwere Arbeit zum Alltag vieler Beschäftigter: zum Beispiel in der Produktion, am Bau, aber auch in Dienstleistungsberufen wie der Pflege. Das Bewegen schwerer Lasten, die Arbeit in Zwangshaltungen und ständig wiederkehrende Bewegungsabläufe können die Gesundheit des Muskel-Skelett-Systems beeinträchtigen. Neben dieser Überforderung gibt es jedoch auch die Unterforderung durch mangelnde Bewegung. Dauerndes Sitzen im Büro, in der Schule und in der Freizeit führt dazu, dass die Rückenmuskulatur nicht mehr genug aktiviert wird. Nicht zuletzt kann auch zu viel Stress sich durch Rückenprobleme bemerkbar machen.

Vor diesem Hintergrund vermittelt die Kampagne „Denk an mich. Dein Rücken“ das nötige Wissen, um das richtige Maß an Belastung für den Rücken zu finden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Beratung der Arbeitgeber, denn diese haben eine Reihe von Möglich-keiten, die Belastung ihrer Beschäftigten zu verringern: Sie können Arbeitsplätze ergonomisch gestalten oder eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, die körperliche und psychische Belastungen für den Rücken berücksichtigt und anschließend die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Das verbessert nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten. Es lohnt sich auch für den Arbeitgeber. Verschiedene Studien zeigen, dass Investitionen in die betriebliche Prävention und Gesundheitsförderung sich positiv auswirken.

Mehr zu den Hintergründen der Kampagne gibt es unter www.deinruecken.de . Dort stehen unter anderem viele Hinweise für die rückengerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen, Broschüren für verschiedene Zielgruppen, Hintergrundinformationen und Fakten zur Kampagne, die Plakatmotive sowie Pressebilder zur Verfügung.