
Prof. Dr. Dorit Schumann, die Präsidentin der Hochschule Trier, eröffnete die Veranstaltung mit einer herzlichen Begrüßung, in der sie die historische Entwicklung des Standorts, die prägende Bedeutung der Nachhaltigkeit und die daraus erwachsenen Erfolge hervorhob. Zugleich betonte sie die Rolle des Umwelt-Campus für die Region. Dorit Schumann gab einen Überblick über das Jubiläumsjahr des Umwelt-Campus, in dem auch das größte Forschungsinstitut an Hochschulen in Rheinland-Pfalz, das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) sein 25-jähriges Bestehen feiern wird. Ihr beonderer Dank galt dem damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck und allen Beteiligten aus der Hochschule und der Region, die die Umwandlung einer militärisch genutzten Fläche in einen Hochschulstandort ermöglicht haben. In ihrem Blick auf Vergangenheit und Zukunft unterstrich sie zudem die wesentlichen Erfolgspfeiler des Campus - allen voran die Studierenden, die damals wie heute im Mittelpunkt stehen.
Die Moderation der Feier lag in den bewährten Händen der Dekane des Umwelt-Campus, Prof. Dr. Klaus Helling und Prof. Dr.-Ing. Peter Gutheil, die in ihre pointierten Beiträge immer wieder den Dank an die vielen verdienten Unterstützer des Umwelt-Campus einflochten. Gleich zu Beginn wurden mit Prof. Dr. Michael Eulenstein und Prof. Dr. Hanns Kohler zwei Männer der ersten Stunde geehrt, die gemeinsam mit dem leider bereits verstorbenen Prof. Dr. Marrott Bronder den Aufbauausschuss des Umwelt-Campus bildeten und den Campus in den Anfangsjahren geprägt haben.
Eine Audiovisionsshow „30 Jahre Umwelt-Campus“, zeigte mit eindrucksvollen Bildern Meilensteine, Projekte und prägende Persönlichkeiten aus drei Jahrzehnten Campusgeschichte. Es folgte eine Videobotschaft der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die in ihrem Grußwort die Bedeutung von nachhaltiger Bildung und Forschung betonte und dem Campus ihre Anerkennung für 30 Jahre Pioniergeist, Innovation und Nachhaltigkeit aussprach: „Am Umwelt-Campus werden die Fachkräfte ausgebildet, die unsere Wirtschaft so dringend braucht.“
In einer Festrede ging Dr. Otto Schulz, Vorstand der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V., auf die aktuellen Herausforderungen und Chancen der Nachhaltigkeitsbestrebungen ein. Er würdigte die Erfahrungen und Erfolge des Umwelt-Campus als Beispiel für gelungene Verbindung von Wissenschaft, Praxis und gesellschaftlichem Engagement. Schulz war begeistert von der positiven Atmosphäre am Umwelt-Campus und stellte fest, dass Nachhaltigkeit hier wirklich gelebt wird. Er führte aus, dass der Umwelt-Campus Birkenfeld die bisher einzige Institution in der 18-jährigen Geschichte des Deutschen Nachhaltigkeitspreises ist, die in einem Jahr gleich drei Auszeichnungen erhielt. Er zitierte aus den Begründungen der Fachjurys der Sieger-Kategorien „Schule und Hochschule“, „Aus- und Weiterbildung“ sowie „Transformationsfeld Gesellschaft“ und unterstrich: „Die Welt braucht Vorbilder, wie den Umwelt-Campus Birkenfeld, die zeigen, wie die nachhaltige Transformation gelingen kann.“
Im Rahmen einer Impulsrunde mit dem Thema „Die Bedeutung des Umwelt-Campus Birkenfeld“ nutzen namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und der Studierendenschaft die Gelegenheit, die Rolle des Campus für die Region und darüber hinaus darzustellen. Alle Impulsgeber beleuchteten in ihren spannenden Statements die Frage: „Was bedeutet der Umwelt‑Campus Birkenfeld aus Ihrer Perspektive — welche besonderen Erinnerungen oder Erfahrungen verbinden Sie mit ihm?“ Den Anfang machte Kurt Beck, Ministerpräsident a.D., der vor 30 Jahren den Campus in einem Festzelt eröffnet hatte. Neben den Erinnerungen an die Gründungszeit, die er plastisch schilderte, sprach er allen, die den Campus in den letzten 30 Jahren zu dem gemacht haben, was er jetzt ist, seinen Respekt und Dank aus. Dr. Tamara Müller, seit Mai 2026 neue Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit Rheinland-Pfalz gab den Impuls aus Sicht des Wissenschaftsministeriums. Miroslaw Kowalski, Landrat des Nationalparklandkreises Birkenfeld, sprach aus der Sicht der kommunalen Familie, ohne die der Aufbau des Umwelt-Campus undenkbar gewesen wäre. Er dankte seinen Amtsvorgängern, angefangen mit der „Vater“ des Umwelt-Campus Dr. Ernst Theilen, der leider beim Jubiläum nicht dabei sein konnte, und dem Landrat Wolfgang Hey, der das Amt in der Phase Gründung des Umwelt-Campus innehatte. Darüber hinaus lobte der Landrat das Engagement der Bürgermeister der Verbandsgemeinde und der Stadt Birkenfeld sowie der Ortsgemeinde Hoppstädten-Weiersbach und hob hier Arnold Meiborg hervor, den kongenialen Partner von Ernst Theilen, der sich über Jahrzehnte unermüdlich für den Campus einsetzte und nach dem die moderne Sporthalle am Umwelt-Campus benannt wurde. Augenzwinkernd sagte Kowalski, der kürzlich in den Hochschulrat der Hochschule der Trier berufen wurde, mit Blick auf das kürzlich verliehene Promotionsrecht für den Umwelt-Campus: „Hier in Birkenfeld können Sie ihr Kind im Kindergarten abgeben und nach der Promotion wieder abholen.“ Impulsgeber aus Sicht der Wirtschaft war Hans-Jörg Platz, Vizepräsident der IHK Koblenz, der den Umwelt-Campus mit seinem innovativen Studienangebot und seinen vielfältigen Projekten als „Glücksfall“ für die Wirtschaft der Region bezeichnete. Er unterstrich die entstandenen engen Verflechtungen des Umwelt-Campus mit der regionalen Wirtschaft, die immer weiterwachsen. Ein besonderes Lob hatte er für Prof. Dr. Klaus Helling, der für ihn „das Gesicht“ des Umwelt-Campus in der Region und darüber hinaus ist. In Vertretung von Friederike Fissler-Pechtl gab Hans-Jörg Platz einen weiteren Input aus der Sicht des Vereins der Freunde der Hochschule Umwelt-Campus Birkenfeld e.V., der bereits ein Jahr vor dem Studienstart gegründet wurde und seither die Hochschule in Neubrücke kontinuierlich unterstützt und immer offen für neue Mitglieder sei.
Der Abschluss der spannenden Impulsrunde war der studentischen Perspektive vorbehalten. Wie Dekan Helling ausführte, hat der Umwelt-Campus von seiner Gründung bis heute 7.105 akademische Abschlüsse vergeben. Die beeindruckende Gesamtzahl setzt sich aus 1.774 Diplom-Abschlüssen, 3.530 Bachelor- und 1.801 Master-Abschlüssen zusammen. Als Klaus Helling die Frage stellte „Wer von Ihnen hat hier am Umwelt-Campus ein Studium erfolgreich abgeschlossen? Bitte aufstehen!“ erhob sich fast der halbe Festsaal. Unter den Aufgestandenen war die bisher älteste Campus-Absolventin, die den berufsbegleitenden Master „Sustainable Change – vom Wissen zum Handeln“ Ende Mai 2026 im Alter von 72 Jahren abschloss. Dagmar Hilden-Kuntz von den elka-Holzwerken in Morbach – ein tolles Beispiel für lebenslanges Lernen!
Für die Impulsrunde konnte der Umwelt-Campus einen besonderen Absolventen gewinnen. Oliver Risse hat im Jahr 2000 nach der Regelstudienzeit von 8 Semestern das Diplom-Studium Umweltplanung abgeschlossen und war der allererste Absolvent des Umwelt-Campus. Oliver Risse ist nach dem Studienabschluss zunächst in die Solarbranche eingestiegen, war dann viele Jahre in den Erneuerbaren und in Sachen Elektromobilität in Südostasien, vor allem in Singapur, unterwegs. Er arbeitet heute als Managing Partner von onenorth Ventures und hat in den letzten 15 Jahren über 50 Startups mit mehr als 350 Mio. Dollar Venture Capital versorgt und dabei stets die Transformation in Richtung Nachhaltigkeit im Blick. „Das Fundraising habe ich am Umwelt-Campus gelernt“ sagte Oliver Risse, der zum 30-jährigen Jubiläum erstmals nach 26 Jahren an den Umwelt-Campus zurückkehrte. In seinem Impuls nahm er die Gäste mit in die Gründungsphase des Campus, als dieser noch durch Baustellen und Matsch gekennzeichnet war. Risse erinnerte sich vor allem an die enge Zusammenarbeit von Studierenden und Lehrenden, die familiäre Atmosphäre und die Begeisterung, gemeinsam etwas Großes zu entwickeln.
Zum Abschluss sprach Berenike Kücker, derzeitige Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschuss AStA. Frau Kücker entdeckte viele Gemeinsamkeiten mit den Erfahrungen der ersten Studierendengeneration und der Sichtweise der heutigen Studierenden. Die „Insellage“ des Umwelt-Campus sei Herausforderung und Chance zugleich. Die Studierenden fühlten sich wohl an „ihrem Umwelt-Campus“. Berenike Kücker unterstrich, wie wichtig es gerade in schwierigen Zeiten sei, die Hoffnung nicht zu verlieren: „Wer die Hoffnung auf eine gute Zukunft hat, hat auch die Kraft diese zu gestalten.“
Der Campus-Chor unter der Leitung von Kreiskantor Roland Lißmann und ein emotionaler Liedbeitrag der Studentin Hannah Holzer setzten einen zusätzlichen musikalischen Akzent und trugen zum feierlichen Charakter des Festakts bei.
Zum Abschluss des Festakts bedankte sich Claudia Hornig, die heutige Kanzlerin der Hochschule Trier, die eine der Mitarbeiterinnen der ersten Stunde am Umwelt-Campus war, bei allen, die zum Gelingen des Festakts beigetragen haben und lud alle Gäste zum persönlichen Austausch und zur weiteren Vernetzung in das Kommunikationsgebäude ein. Wie im Jahr 1996 gab es dazu Erbsensuppe und kühle Getränke!
Der Festakt zum 30-jährigen Jubiläum des Umwelt-Campus Birkenfeld zeigte eindrücklich die Entwicklung des Standorts und unterstrich seine Bedeutung als Motor für nachhaltige Bildung, Forschung und regionale Zusammenarbeit. Seit der Aufnahme des Studienbetriebs im Jahr 1996 hat sich der Campus stetig weiterentwickelt und sich als moderner Hochschulstandort etabliert. In Lehre und Forschung setzt er wichtige Impulse – regional, national und international – und ist ein bedeutender Motor für die zukunftsfähige Entwicklung der Region.
Autor: Prof. Dr. Klaus Helling
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