Terra incognita

Dokumentation subterraner Strukturen

Tropfsteinhöhle - Terra Incognita
Infrastruktur zur Wassererhaltung im Bergbau

Fast täglich wird den Berufsgenossenschaften ein Unfall infolge von Erdarbeiten in der Nähe erdverlegter Leitungen gemeldet. Die Gründe für die Beschädigungen von Leitungsnetzen liegen laut der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft trotz genormter Verlegetiefe und Warneinrichtungen meist in einer unzureichenden Kenntnis von Art und Lage der Leitungen, der mangelhaften Ermittlung der Lage durch den Auftragnehmer sowie dem unvermuteten Antreffen nichtverzeichneter Leitungen in Verbindung mit der schlechten Lesbarkeit existenter Pläne oder dem fehlerhaften Einmessen vor Ort. Neben den – erst bei Grabungs- bzw. Tiefbauarbeiten auftretenden – Problemen mit unterirdischen Ver- und Entsorgungsinfrastrukturen, zeigen sich vielerorts auch an der Erdoberfläche Auswirkungen von Eingriffen in den Untergrund. Diese manifestieren sich insbesondere durch Vertikalbewegungen der Geländeoberflächen. Solche Phänomene können anthropogen induziert sein (z.B. Rohstoffentnahme) oder aber auch im Ablauf natürlicher und geogener Prozesse liegen.
Obwohl wir über eine Vielzahl von Informationssystemen, Geodatenbeständen und Sensornetzen zur Überwachung und Dokumentation der subterranen Umwelt verfügen, ist die Überraschung groß, wenn wir in einem vermeintlich ungestörten Untergrund auf unbekannte Leitungsnetze, Hohlkörper oder andere Strukturen stoßen, welche auf eine frühere, ggf. lange zurück reichende und bis dato an dieser Stelle unbekannten, weil nicht im erforderlichen Maße dokumentierten anthropogenen Nutzung des Untergrundes hinweisen.
Ziel des Projektes ist es, die Bedeutung der Kenntnis der historischen und rezenten Nutzung des Untergrundes für Raum- und Geowissenschaften herauszuarbeiten. Dies soll nicht im Sinne einer geologischen Bestandsaufnahme oder Baugrundeignung geschehen, sondern ist als Dokumentation eines wesentlichen Teils der Anthroposphäre angelegt.

In einem zweiten Schritt soll ein Konzept für ein medienübergreifendes Informationssystem zur Dokumentation subterraner Strukturen erarbeitet werden. Letzteres sollte in der Lage sein, dem Nutzer vollständige Informationen zu den am jeweiligen Standort vorhandenen subterranen Strukturen on-the-fly zur Verfügung zu stellen. Neben der Reduzierung privat- und volkswirtschaftlicher Schäden schafft die Verfügbarkeit eines solchen Systems durch die Möglichkeit einer Sofortauskunft bei Projektierung und Bauausführung einen weiteren zentralen Mehrwert für alle Beteiligten.
Neben der geotechnischen Betrachtung wird der Forschungsschwerpunkt im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsansatzes zudem durch entsprechende literatur- und kulturwissenschaftliche Exkurse beleuchtet.

Konsortium Institut für Softwaresysteme der Hochschule Trier, Ingenieurbüro GeoControl, FR Germanistik der Universität des Saarlandes
Laufzeit Januar 2020 - Dezember 2022

Projektleitung an der Hochschule Trier:

Prof. Dr. Peter Fischer-Stabel
Prof. Dr. Peter Fischer-Stabel
Professor FB Umweltplanung/-technik - FR Informatik

Standort

Birkenfeld | Gebäude 9925 | Raum 149
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