Nicht alles, was auf dem Sperrmüll landet, ist wirklich Müll. Wie sich noch brauchbare Möbel und Gegenstände einfacher weitergeben lassen, statt entsorgt zu werden, hat das P2Broker-Team des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft (Human-Computer Interaction Center, RWTH Aachen) am 2. Mai 2025 direkt vor Ort erfragt: In Zusammenarbeit mit dem Aachener Stadtbetrieb führte das Team am Recyclinghof Aachen-Eilendorf Kurzinterviews mit Bürger*innen durch, die gerade ihre Abfälle anlieferten.
Insgesamt nahmen 57 Personen (21 Frauen, 36 Männer) zwischen 18 und weit über 60 Jahren an der qualitativen Interviewstudie teil. Der Leitfaden orientierte sich an einer SWOT-Analyse: Gefragt wurde nach Stärken und Schwächen bestehender Weitergabemöglichkeiten wie Tauschbörsen, Online-Plattformen oder Gebrauchtwarenkaufhäusern sowie nach Chancen und Risiken künftiger Angebote. Ziel war es, Ideen der Bürger*innen für willkommene Tauschbörsen-Szenarien empirisch zu sammeln, die als Alternative zur klassischen Sperrmüllentsorgung in den P2Broker-Demonstrator einfließen können.
Ergebnisse: Die Weitergabe gebrauchter Gegenstände ist vielen Befragten grundsätzlich vertraut. Rund zwei Drittel kennen digitale Tauschplattformen, allen voran eBay Kleinanzeigen, daneben werden Familie und Bekannte sowie regionale Angebote wie die Wabe genutzt. Als größten Vorteil nannten sie mit Abstand die Nachhaltigkeit: Gegenstände bekommen ein zweites Leben, Ressourcen werden geschont und „jemand freut sich darüber“. Warum brauchbare Dinge dennoch am Recyclinghof landen, erklären vor allem der hohe Zeit- und Organisationsaufwand, mühsame Kommunikation und Preisverhandlungen mit Interessent*innen sowie das Unbehagen, Fremde in die eigene Wohnung zu lassen. Ein Angebot, das genutzt würde, müsste entsprechend einfach und niedrigschwellig sein: mit flexiblen Zeiten, Abholmöglichkeit, lokalen und auch analogen Anlaufstellen sowie sicheren, möglichst anonymen Übergabeformen. Als Risiken wurden vor allem komplizierte Abläufe, Betrugs- und Zahlungsrisiken sowie der Ausschluss technikferner Gruppen genannt.
Auf Basis dieser Ergebnisse hat das Team gemeinsam mit dem Umwelt-Campus Birkenfeld drei Szenarien für die Weitergabe gebrauchter Möbel konzipiert: einen zentralen Tauschort, an dem Gegenstände ohne direkten Kontakt zwischen den Tauschpartnern abgegeben und abgeholt werden können, eine kommunal betriebene digitale Tauschplattform mit rechtssicherer Abwicklung sowie ein Modell, bei dem gut erhaltene Möbel alternativ zur Sperrmüllanmeldung an soziale Einrichtungen übergeben werden. Diese drei Szenarien wurden anschließend in einer quantitativen Online-Befragung mit 232 Teilnehmenden validiert. Die Ergebnisse beider Studien werden derzeit für eine Fachzeitschriftenpublikation aufbereitet und sind nach Erscheinen dort nachlesbar. Wir danken allen Befragten für ihre Zeit und ihre offenen Antworten sowie dem Aachener Stadtbetrieb für die Planung und Unterstützung vor Ort.


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